Euro Truck Simulator 2 - LKohWeh #3
Mein erster, eigener Truck. Endlich war ich RICHTIG in der Truckerwelt angekommen. Sofort richtete ich mich häuslich ein und machte es mir gemütlich.

Selbstverständlich wollte ich umgehend der Straße mein neues Gefährt vorführen, doch zunächst wollte ich mir, da ich mich schon in meiner Garage befand, ein paar Statistiken zu Gemüte führen.

Da meine Basis in Frankfurt meine einzige Basis war, gab es hier nicht viel zu sehen.

Grüne Zahlen sind super, finde ich. Meine persönliche Fahrerstatistik stand der ganzen Sache in nichts nach.


Ich war mehr als zufrieden mit mir und meinen Leistungen. So verließ ich zum ersten Mal mit meinem neuen Fahrzeug meine Basis.

Ich dachte kurz darüber nach, einfach in aller Ruhe durch die Gegend zu fahren und meinen neuen Truck zu testen, doch dann fiel mir ein, dass es keinen besseren Test gab, als eine richtige Lieferung. Wrestling lernt man auch nicht, indem man sich auf den Boden fallen lässt und jammert. Erst, wenn man so tut, als würde man von jemand anderen auf den Boden geworfen werden (und dabei jammert) und dieser dabei total böse durch die Gegend guckt (ohne zu lachen), hat man was dazugelernt. Also nahm ich meinen ersten Auftrag an, für den man mir keinen Fremdtruck zur Verfügung stellte.


Das bedeutete selbstverständlich auch, dass ich mir meine Ladung selbst abholen musste. Firmengelände ins Navi und los!

Schnell fand ich, was ich suchte, lud auf und begann meine Reise nach Köln.



Frankfurt hinter mir zu lassen war ein tolles Gefühl. Nicht, weil ich die Stadt nicht mochte, sondern weil dies in meinem eigenen Truck geschah. Ich hatte Frankfurt viel zu verdanken.


Nicht viel zu verdanken hatte ich dem PKW-Verkehr. Da fährt man nur mal eben kurz zu schnell von der Autobahn runter, wechselt auf die Gegenfahrbahn, um niemanden zu rammen, nimmt die Kurve ein wenig zu eng und was ist? Niemand macht einem Platz. Unfreundliches Pack. Im Royal Rumble würde ich euch zuerst eliminieren. Und alle Zuschauer wären froh darüber.


Für das entstandene Chaos entschuldigte ich mich selbstverständlich nicht. Ich überholte stattdessen lieber andere Fahrzeuge per Standstreifen.

Und fuhr anderen Truckern in die Hacken.

Ja, gut. Ich will ehrlich sein: Ich war etwas aufgedreht. Mein eigener Truck, schön und gut, deswegen aber gleich auszuflippen, war selbstverständlich unangebracht. Als ich den Kölner Dom vor mir sah, beschloss ich, etwas besser aufzupassen.

Ich erreichte mein Ziel und lieferte die Ladung ab.


Da der Rammschaden ausschließlich an meinem Truck entstanden war, hatte ich bei der Abrechnung keine Abzüge zu befürchten.

Zunächst wollte ich sofort ein neues Abenteuer beginnen, ...

... doch ich begann, zu gähnen. Warum? Weil ich müde war. Ein weiterer Unterschied zu meiner bisherigen Truckerkarriere: Ich musste mich aktiv ausruhen. Früher konnte ich einfach zwischen den Fahrten kleine Pausen einlegen. Ich hatte ja nach einem Auftrag keinen Truck mehr unter der perfekt definierten Gesäßmuskulatur. Das Fahrzeug blieb damals immer bei der ehemaligen Ladung stehen. Dies war nun anders. Ich schlief von nun an in meinem eigenen Truck. Darum suchte ich mir einen Parkplatz und legte mich ein paar Stunden hin.


Als ich erwachte, war es bereits dunkel.

Ich schaltete meine Lichter ein...

... und begab mich auf die Suche nach einem neuen Auftrag.

Gegen 18 Tonnen Joghurt ist nun wirklich nichts einzuwenden. Osnabrück kannte ich auch noch nicht.

Ich holte meine Fracht ab und verließ Köln.



Während Nachtfahrten ist immer ziemlich wenig los auf den Straßen. Darum verglich ich die Leuchtkraft meiner am Fahrzeug angebrachten Lampen.
Hier das Licht meiner normalen Frontscheinwerfer.

Und hier die Straße bei voll aufgedrehter Lampenkraft.

Es versteht sich von selbst, dass ich dieses Licht dauerhaft eingeschaltet ließ. Ich erinnerte mich zwar noch an ein paar Fahrstunden, in denen man mir erklärt hatte, dass Fernlicht andere Fahrer stört, als Wrestler interessieren einen solche Details jedoch selbstverständlich überhaupt nicht.
Hell erleuchtet erreichte ich Osnabrück und ärgerte die Menschen, die sich Tageslichtwecker in ihre Schlafzimmer gestellt hatten. Tschüs, Tagesrhythmus.

Fracht abliefern, Geld kassieren. Routine.


Also gut, Klartext: über jede Fahrt werde ich von nun an nicht mehr ausführlich berichten. Ja, ich werde jede hier erwähnen. Aus statistischen Gründen. Man will ja am Ende eine übersicht haben. So wie ich auch eine Liste besitze, in der ich jedes meiner Wrestlingmatches eingetragen habe. Mitsamt Gegner, Sieger, Siegart, Ort und benutzter Bräunungscreme und Bodylotion. Aber letztendlich war ich zu diesem Zeitpunkt ein ziemlich guter Fahrer. Dieser Bericht soll meine Reise wiedergeben. Darum wird auf nichts verzichtet, das eine oder andere dafür aber kürzer behandelt.
Es sollte klar sein, dass nach diesem Absatz genau während der nächsten Reise etwas Aufsehenerregendes passieren wird. Es begann mit ein paar Druckbehältern, die von Osnabrück nach Hamburg transportiert werden sollten.


Ich fuhr mitten in der Nacht los.

Mit der Zeit wurde es heller. Ich wollte mir den Sonnenaufgang ansehen...

... knallte dabei jedoch in die Leitplanke. Sofort riss ich das Lenkrad herum und mich selbst von der Leitplanke los. Leider bevörderte mich dieses Manöver in den neben mir fahrenden Truck.


Ich sah sofort ein, dass diese Situation zumindest zu kleinen Teilen meine Schuld gewesen war und wollte mich bei dem Trucker für dieses unbedeutende Missgeschick entschuldigen. Dieser gab aber einfach Vollgas und fuhr davon.

Selbstverständlich war ich sofort fuchsteufelswild. Und sauer. Nicht einmal eine Entschuldigung? Kein Handschlag? In was für einer Welt leben wir denn, dass sich Trucker untereinander nicht mal mehr wie Blutsbrüder verhalten?
Dieses Verhalten wollte und konnte ich so nicht tolerieren. Er wollte mich abhängen? Nicht mit mir. Ich schaltete mein Gehirn auf "Beat-The-Clock-Challenge" und fuhr los.

Ich hatte ihn schnell eingeholt. Als er neben mir war, passte ich meine Geschwindigkeit der seinen an.

Dann gab ich hupend Vollgas und ließ diesen elendigen Versager hinter mir im Rückspiegel verschwinden.

Grinsend und ziemlich entspannt setzte ich meine Reise fort.

Ich erreichte Hamburg und das Firmengrundstück und lud und kassierte ab.





Voller Stolz teilte mir mein Gehirn mit, dass ich einen neuen Level erreicht hatte. Wie ich es mir vorgenommen hatte, investierte ich den mittlerweile vierten Punkt in "Hochwertige Fracht".

Ich wurde währenddessen von allen Seiten beeindruckt angesehen.


Da ich nicht weiter angeben wollte als nötig, zog ich mich zurück und besuchte die nächstgelegene Werkstadt. Es hatte da ja schließlich diesen kleinen Unfall gegeben.

Zum Glück stellte sich heraus, dass der Schaden minimal geblieben war und ich lediglich knapp über 400 Euro zahlen musste.

Dann fragte mich einer der Werkstattmitarbeiter plötzlich, warum ich keine Nummernschilder besaß. Ich verstand ihn zunächst nicht, da ich selbstverständlich nicht ohne ein Nummernschild die Straße betrat. Er lachte und erklärte mir, nachdem ich ihm gedroht hatte, ihn per "Hells Gate" zu töten, wenn er noch einmal über mich lachen würde, dass er keine richtigen Nummernschilder, sondern Namensschilder gemeint hatte.
Lachend klopfte ich ihm auf die Schulter und zerbrach sie dabei ein wenig. Was für eine gute Idee! Ich hatte ganz vergessen, dass ein Trucker ohne Namensschilder kein richtiger Trucker ist. Vielleicht war es deswegen während der vorherigen Fahrt zu diesem blöden Missverständnis gekommen.
Schnell ließ ich mir zwei Schilder anfertigen. Zunächst wollte ich auf eines "U screwed Bert" schreiben, das war aber leider zu lang. Armer Bert. So landeten mein Firmen- und mein Wrestlername auf jeweils einem Schild, die daraufhin hinter der Windschutzscheibe einen Platz fanden.




Bevor ich losfuhr, sah ich mir noch die möglichen Lackierungen an. Ich stieß auf eine, die mich sehr ansprach, passte sie den Firmenfarben entsprechend an und verließ daraufhin endlich die Werkstatt.



Im Anschluss ruhte ich mich ein Weilchen aus.

Mein nächster Auftrag führte mich nach Hannover.


Ich möchte mal einen ganz besonderen Trick an meine Truckerkollegen weitergeben. Bei roten Ampeln bleibe ich nur noch selten stehen.

Wenn man auf dem Bürgersteig an ihnen vorbeifährt, muss man keine Strafe bezahlen!

Man muss aber auch mit den möglichen Konsequenzen leben, wenn man genauso rücksichtslos wieder die Fahrbahn betritt.

Die Fahrt nach Hannover verlief dann vollkommen ohne Probleme.






Der Spaß ging selbstverständlich sofort weiter. Und zwar nach Bremen.


Um zu zeigen, was für ein unglaublich guter Fahrer ich nach all der Zeit geworden war, möchte ich einfach mal kurz demonstrieren, wie grazil ich das vor wenigen Tagen noch gefüchtete Hoftor des Grauens mittlerweile durchfahren konnte.





KEINE EINZIGE SCHRAMME! KEINE! NICHTS!
Die Fahrt begann.

Als es Nacht wurde, genoss ich den Mondschein und die mit der Dunkelheit spielenden Lichter.


Leider verpasste ich dadurch eine Autobahnausfahrt und raste mitten ins (immerhin gut beleuchtete) Grüne.

Gut, dass es in meiner Fahrerkabine dunkel war. So konnten die mich beobachtenden Gaffer nicht meinen vor Scham rotgefärbten Bizeps erkennen. Schnell fuhr ich zurück auf die Straße und setzte meine Reise fort.


Um weitere Probleme machte ich von nun an einen Bogen und erreichte Bremen.




Sofort suchte ich mir den nächsten Auftrag heraus. Ich war gut gelaunt und ahnte nicht, was nun auf mich zukommen würde.
Es fing harmlos an. 14 Tonnen Speiseeis klang alles andere als schlimm.


Es war mitten in der Nacht, als ich meine Fracht abholte.

Als ich bereits einige Zeit auf der Autobahn zugebracht hatte, fiel mir ein, dass meine letzte Pause bereits einige Zeit zurücklag. Ich fühlte die Müdigkeit langsam in mir aufsteigen, wollte mir diese Schwäche aber nicht eingestehen. Darum kontrollierte ich die Daten auf meinem Navi. Zeit bis zum Ziel:

2:48 Stunden.
Nächste Pause:

2:04 Stunden.
Verdammt. Das hatte ich ja vollkommen vergessen. Da ich nicht viel Lust auf ärger mit der Truckergewerkschaft hatte, gab ich Vollgas. Ich wusste, dass die berechnete Streckendauer sich auf normales Fahren bezog, mit dem ich mich wiederum noch nie hatte anfreunden lassen. Wieder einmal startete ich eine "Beat-The-Clock-Challenge" in meinem Kopf.
Immer wieder kontrollierte ich die Zeiten.
Zielzeit:

1:38 Stunden.
Pausenzeit:

1:05 Stunden.
Ich hatte 10 Minuten gutgemacht. Nicht viel, aber immerhin. Weiter ging die Fahrt.
Zielzeit:

37 Minuten.
Pausenzeit:

18 Minuten.
Plötzlich erreichte mich eine Warnmeldung der Gewerkschaft.

Parken? Schlafen? Eine halbe Stunde vor dem Ziel? Niemals!
Zielzeit:

10 Minuten.
Pausenzeit:

1 Minute.
Jetzt war mir alles egal. Ich gab Vollgas und fuhr auf dem Bürgersteig weiter. Ich umfuhr jede rote Ampel, die sich mir in den Weg stellen wollte. Ich bretterte blind über Kreuzungen. Ich musste es schaffen.


Als meine Pausenzeit Null erreicht hatte, begann ich zu gähnen, während ich das Firmengelände, mein Ziel, anfuhr.

Plötzlich wurden meine Augen schwer. Sie fühlten sich an, als würden sie gerade versuchen, einen "Body-Slam-Contest" gegen Andreas den Giganten zu gewinnen. Um mich herum wurde es dunkel.

Doch ich ließ mich nicht beirren. Ich riss das Lenkrad herum, schaffte es so, meinen Körper durch Adrenalin wachzuhalten, und erreichte den Parkplatz.

Ich konzentrierte mich ein letztes Mal und lieferte meine Ladung per Punktlandung ab.


Ich kassierte Geld und Erfahrung.

So erreichte ich Level 6. Der Erfahrungspunkt wanderte wie immer in "Hochwertige Fracht".

Nun gut, die Fracht war abgeliefert. Aber es gab da noch ein kleines Problem: Ich war immer noch müde.

Wieder einmal trat ich so fest ich nur konnte auf das Gaspedal. Meine kräftigen Waden bebten. Als ich das Firmengelände verließ, meldete sich die Gewerkschaft. Man zog mir 150 Euro wegen meines Verstoßes gegen die Ruhezeiten vom Konto ab. Dieser Umstand brachte mich, nett gesagt, nicht gerade dazu, langsamer zu machen und auf den Verkehr zu achten.

Als ich das "HOTEL"-Schild erblickte, wusste ich was zu tun war. 90-Grad-Wende, ...

... Vollgas, ...

... Einparken, ...

... Schlafen.
Wahnsinn. Was für ein Stress. Ich muss schon sagen, dass es sich hier definitiv um die spannendste Tour gehandelt hatte, die ich in meiner Truckerkarriere bis zu diesem Zeitpunkt hatte erleben dürfen. Mein Körper freute sich über die Mütze Schlaf und als ich am nächsten Morgen erwachte, sah ich mir meine Statistiken an.


Ordentlich. SEHR ordentlich sogar.
Ich war nun kein Neuling mehr, sondern Enthusiast. Und ich wusste, was das bedeutete.
Als ich die Morgensonne meine Muskeln kitzeln ließ und mich ein letztes Mal vor Fahrtantritt streckte, stand der Entschluss fest: Ich brauchte Mitarbeiter.
