spa-zone

Das Leben kann so bescheuert sein...

Euro Truck Simulator 2 - LKohWeh #4

Der letzte Tag ist eindeutig viel zu stressig gewesen. Doch er bewies mir vor allem eines: ich war unschlagbar und tatsächlich der König der Straße. Der Herrscher über den Highway. Der Highwayman.

Doch leider war ich dadurch auch ganz auf mich allein gestellt. Niemand traute sich mehr in meine Nähe. Niemand wollte von meiner grenzenlosen überlegenheit zu den Worten "I QUIT!" gezwungen werden. Ich wusste nicht, ob ich mit diesem von mir aufgebauten Gimmick weiterleben wollte. Um mich von meinen Aufgabegedanken abzulenken, verließ ich den zuvor aufgesuchten Parkplatz und begab mich auf die Suche nach einem neuen Auftrag.

Dieser war schnell gefunden.

Die Strecke von Kiel nach Rostock klang ideal für eine kleine Auszeit zum Nachdenken.

Ich holte die Ladung ab und verließ Kiel.

Ich hatte nicht zu viel erwartet. Ich beobachtete die Zielgruppe des Landwirtschaftssimulators bei der Arbeit, während ich über mein Dasein als Singles-Competitor nachdachte.

Die Strandkörbe an der Küste stimmten mich melancholisch. Ich musste an meine Auftritte in den Kellenhusener Arenen denken und an die nächtlichen Strandkorbnacktpartys mit meinen Wrestlingkollegen.

Nach einiger Zeit ließ ich das Meer hinter mir und fuhr durch eine wahre Traumlandschaft. Die natürliche Idylle machte mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich wollte nicht mehr alleine sein. Es war Zeit für ein Tag-Team. Nein, es war Zeit für ein Stable. Die spa-zone musste mit Leben gefüllt werden.

Ich hatte neuen Mut gefasst. Glücklich teilte ich der hinter mir immer größer werdenden Wagenkolonne mit, dass ich nun wieder schneller als mit Schrittgeschwindigkeit fahren würde.

Man freute sich wirklich sehr für mich und ich musste mir nach einiger Zeit meine Freudentränen vom Waschbrettbauch wischen. Dabei achtete ich nicht wirklich auf die Straße vor mir und nahm eine kurze Auszeit im Grünen.

Das Wendemanöver dauerte nicht lange.

Auch wenn die Schlange auf der Autobahn da vielleicht etwas anderes behaupten würde.

Wie auch immer. Ich erreichte Rostock und mein Ziel. Die Fracht wurde abgeladen und Geld kassiert.

Also gut. Der Entschluss stand fest. Ich wollte ein Stable gründen. Dafür musste ich meine Basis ausbauen. Ich hätte dies vermutlich auch telefonisch erledigen können, doch ich wollte für diesen Schrit vor Ort sein. Dafür musste ich zurück nach Frankfurt. Auf dem Weg wollte ich selbstverständlich noch ein paar Aufträge abarbeiten. Zwar hätte ich auch einfach so nach Frankfurt fahren können, das wäre aber mit dem Verbrennen eines Money-in-the-bank-Koffers gleichzusetzen gewesen.

Als ich von einer Lieferung bestehend aus 11 Tonnen Spielzeug zurück nach Kiel erfuhr, musste ich nicht lange nachdenken.

Ich mag Spielzeug.

Der Gedanke an glückliche Kinderaugen ließ mich so sehr jauchzen, dass ich ein Straßenschild überfuhr.

Ich regelte meine Lebensfreude ein paar Stufen herunter und verließ Rostock.

Die ersten Stunden verliefen ohne erwähnenswerte Vorkommnisse und ich war gedanklich in meine Stablegründung vertieft. Darum fuhr ich für meine Verhältnisse rücksichtsvoll, also auf der richtigen Fahrbahn und mit der richtigen Geschwindigkeit. Ich fühlte mich richtig wohl, BIS MIR PLöTZLICH AUF MEINER FAHRBAHN EIN ROTER PKW ENTGEGENKAM UND MICH FRONTAL RAMMTE!

Ich war ziemlich durch den Wind, sage ich euch. Das war wie vor ein paar Jahren, als mein damaliger Tag-Team-Partner Heel turnte und mir dies während eines Extreme-Regeln-Matches per Chairshot ins Gesicht mitteilte.

Was war da gerade geschehen? Die Antwort war schnell gefunden. Der PKW hatte ein anderes Fahrzeug überholen wollen, dabei aber nicht auf den Gegenverkehr geachtet. Ein Anfängerfehler, der meinen Truck ziemlich demolierte. Genauso wie meine gute Laune. Ich lasse ja viel durchgehen, das war aber definitiv zu viel.

Ich beschloss, für einen kurzen Moment ebenfalls zum Heel zu turnen. Ich verwandelte das Match in ein Submission-Match und nahm meinen Gegner in den Kamel-Griff.

Nach kurzer Zeit sah ich das Blinkersignal, das die Aufgabe signalisierte, doch ich ließ nicht locker. Wie der perfekte Heel verstärkte ich meinen Griff sogar noch.

Immer weiter drehte ich das Fahrzeug. Seine Gelenke knackten.

Erst, als ICH mich besser fühlte, gab ich nach und den PKW frei.

Ich sah ein letztes Mal zurück und lachte, als ich das gegnerische Fahrzeug in der Hecke hängend und regungslos dastehen sah.

So erreichte ich Kiel.

Ich war immer noch ein wenig mies gelaunt und schenkte Ampeln erst mal keine Beachtung mehr.

Ich lieferte das Spielzeug ab und erhielt meine Bezahlung. Das munterte mich immerhin ein bisschen auf. Das Spielzeug hatte nichts abbekommen.

Mein Wagen musste natürlich unbedingt repariert werden, doch ich wollte zunächst einmal schlafen gehen, mich erholen und vor allem beruhigen.

Als die Sonne mich weckte, fuhr ich in die Werkstatt.

Die Reparaturkosten von 3.400 Euro zahlte ich, weil ich keine andere Wahl hatte. Es ist wirklich schlimm, dass Trucker über keinerlei Versicherungen verfügen. Da war ja selbst Wrestling weiter.

Um mich wieder etwas aufzubauen, kaufte ich mir einen neuen Motor und lackierte Türgriffe.

So betrat ich die Straße und begab mich umgehend auf die Suche nach einem neuen Auftrag, der mich näher in Richtung Frankfurt brachte.

Am besten eignete sich hierfür ein Auftrag nach Hannover.

Ich holte den Sand ab und begab mich auf die Reise.

Als ich die Autobahn betrat, fiel mein Blick auf die Tankanzeige. Wirklich viel Benzin hatte ich nicht mehr dabei. Das war also einer der Nachteile am eigenen Truck. Man musste selbst tanken. Und dafür bezahlen. Vorbei waren die Zeiten, in denen man einfach in einen für einen vorbereiteten Truck stieg. Nun musste man selbst für sich sorgen. Schnell fuhr ich eine Tankstelle an.

Ich füllte meinen Tank bis zum Rand und fuhr zurück auf die Autobahn. Auf nach Hannover!

Die Stadt erreichte ich ohne auf besondere Vorkommnisse zu stoßen.

Lediglich die Fahrt in die Stadt verlief nicht wie geplant. Irgendwie hatte sich ein Stau gebildet und ich kam nicht vorwärts. Nach ein paar Minuten voller Warten ergriff ich die Initiative und bahnte mir einen Weg durch die um mich stehenden Lumberjacks.

Am Ziel angekommen, lud ich ab und verließ das Gelände mit ein paar Euros mehr in der Tasche.

Meine Reise nach Frankfurt sollte mich nun nach Dortmund bringen.

Ich mache es kurz: Alles verlief wie geplant.

Diesmal musste ich meine Ladung in einem Steinbruch abliefern.

Man nennt mich auch den guten Trucker.

Um mich auf meinem Erfolg und auch ganz allgemein ein wenig auszuruhen, suchte ich mir eine kleines Toilettenhäuschen, neben dem ich mich niederlassen konnte.

Bodylotion musste aufgefrischt und Bräunungscreme an den besonders empfindlichen Stellen aufgetragen werden. So entspannte ich mich und meine Muskeln und erst, als der Mond hoch am Himmel stand, machte ich mich wieder auf den Weg nach Frankfurt.

Ich lieferte Erz nach Köln.

Als ich den Steinbruch verließ, wurde es um mich herum langsam hell.

Da ich mich mittlerweile auf einem höheren Niveau befand als Ampel, ignorierte ich diese auf meinem weiteren Weg einfach und umfuhr sie, um keine Strafe bezahlen zu müssen.

Währenddessen warf einen Blich hinter mich und lachte die mir unterlegenden Ampelduscher aus.

So rammte ich einen LKW.

Das war mir nun doch ein wenig peinlich. Aber ich ließ mir nichts anmerken. Höheres Niveau und so. Die lachenden Gaffer ignorierte ich.

In Köln angekommen lieferte ich die Fracht sicher ab.

Ich freute mich über Geld und Erfahrungspunkte.

Und den neuen Fähigkeitenpunkt, der mich nun zu einem wahren Experten im Bereich der hochwertigen Frachten machte.

Nicht frachtlos nach Frankfurt zu fahren hatte sich ausgezahlt.

Aber jetzt hatte ich genug. Ich wollte endlich mein Stable gründen. Die 22 Tonnen äpfel, die auf einen Transport nach Frankfurt warteten, kamen mir da gerade recht.

Die Fahrt in meine Heimat konnte beginnen.

Ich war ziemlich nervös, was sich nur ein wenig auf meine Fahrkünste auswirkte.

Um mich abzulenken, beobachtete ich die Zielgruppe des Holzfällersimulators bei der Arbeit. Das mache ich wirklich gerne. Zielgruppen beobachten. Man lernt einiges. Das Ausüben des Holzfälerberufs schrieb ich mir auf einen kleinen Notizzettel, den ich schnell in mein Portemonnaie steckte. Sollte es mit meiner Truckerkarriere doch irgendwann wieder bergab gehen, war es gut, ein paar Alternativen zu haben.

Mit diesen Gedanken erreichte ich Frankfurt.

Die äpfel wurden abgestellt und Geld kassiert.

Bevor ich mich an die Stablegründung machte, wollte ich aber erst einmal meinen Truck auf Vordermann bringen. Die Reparatur kostete knapp über 4.000 Euro.

Außerdem ließ ich neue Räder montieren.

Aber dann konnte ich meine Nervosität nicht mehr im Zaum halten. Ich fuhr zurück in meine Bude und begann mit der Planung.

Der Blick auf die Statistiken zeigte mir, dass ich den Million-Dollar-Belt während meiner Trucker-Karriere mehr als verteidigt hatte.

Leider reichte es nicht ganz, um meine Garage auszubauen.

Aber wofür hat man Superkumpel, denen man IMMER vertrauen kann? Ich stattete meiner Bank einen Besuch ab.

Und nahm einen Kredit in Höhe von 400.000 Euro auf.

So befanden sich plötzlich 432.456 Euro auf meinem Konto. Ich war so aufgeregt, dass mir vor lauter Gezitter angetrocknete Bräunungscremestreusel von der Nase plumpsten.

Sofort machte ich mich auf den Weg zur Arbeitsagentur.

Als ich dort ankam, begann es zu regnen.

Ich hielt die Hand aus dem Fenster, sammelte ein wenig Regenwasser auf und rieb es auf die trockenen Cremestellen auf meiner Nasenspitze. Die Erfrischung tat gut.

Sie erinnerte mich auch daran, dass ich vollkommen vergessen hatte, nach der Kreditaufnahme meine Garage auch wirklich zu vergrößen. Was für ein dummer und peinlicher Fehler. Ich verdonnerte mich zu ein paar Strafrunden Bauchmuskeltraining und raste frustriert in den Gegenverkehr, der mich auszulachen schien.

Zurück in der Garage handelte ich sofort.

Und was soll ich sagen? Die neue Garage bot einen überwältigenden Anblick.

Ich hatte eine größere Garage und vor allem: Zwei neue Stellplätze. Zeit für die Stablegründung.

Die Arbeitsagentur bot mir die folgenden fünf Kompetenzbestien an.

Da ich kein oberflächlicher Kotzbrocken bin, entschied ich mich zunächst für Krisztina, auch wenn ich schon jetzt das Schreiben ihres Namens verfluchte.

Nach ihrer Einstellung meldete sich plötzlich noch John bei mir und bat um Einstellung.

Aber ich entschied mich für Simon. Er besaß bereits drei Erfahrungspunkte. Ich lege halt mehr Wert auf Fähigkeiten als eine sympathisch getragene Kappe.

Nun mussten zwei neue Trucks gekauft werden, denn auch die fähigsten Trucker können ohne ein solches Gefährt nicht viel ausrichten. Ich besuchte den in Frankfurt sitzenden Iveco-Händler.

Der erste Truck ging an Krisztina.

Der zweite wiederum an Simon.

Und damit war ich pleite. Das kann ziemlich wörtlich genommen werden. Ich hatte noch 128 Euro auf dem Konto. Und mich stark verschuldet. Aber all das war mir egal. Das spa-zone-Stable hatte die Arena betreten und umkreiste den Ring. Wir alle waren hochmotiviert. Ich war mir sicher, dass ich richtig gehandelt hatte.

Mit diesen Gedanken suchte ich den nächstgelegenen Parkplatz auf und machte eine kleine Pause. In wenigen Stunden würde der Ernst des Lebens von Neuem beginnen. Aber immerhin war ich nicht mehr allein.

Als ich meine Augen schloss und, um einzuschlafen, meine Bauchmuskeln zählte und auch ein wenig streichelte, begann ich zu grinsen. Zufriedenheit. So fühlte sie sich also an.

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