spa-zone

Das Leben kann so bescheuert sein...

Euro Truck Simulator 2 - LKohWeh #5

Das spa-zone-Stable stand und meine Straßen-Dominanz konnte beginnen. Er war an der Zeit, mein Stable zu pushen und die Straßen zu beherrschen.

Doch bevor es losgehen konnte, wälzte ich Statistiken. Was im Wrestling-Business die Einschaltquote, ist im Trucker-Business der Profit. Ich hatte mittlerweile das Business verstanden. Die grünen Zahlen sprachen für sich.

Ich hatte ein paar Stunden geschlafen. In dieser Zeit war der Rest meines Stables aktiv gewesen und hatte stetig am großen Push gearbeitet. Die Einnahmen waren noch nicht groß, aber immerhin vorhanden.

Das Territorium Frankfurt war ganz in der Hand von spa-zone.

Ich selbst hatte bereits über 5.000 Kilometer hinter mich gebracht.

Wie oft ich im Ring auf und ab laufen müsste, um diese Distanz zurückzulegen, ließ ich Leute berechnen, die sich mit Zahlen auskennen und nicht mit ungeschützten Chairshots gegen den Kopf aufgewachsen sind. Diese Leute überreichten mir am Ende ihrer Berechnungen etwas, was auch ich verstehen konnte. Eine aufwärtsgerichtete Linie.

So viele positive Signale. Ich war ganz hin und weg. So hin und weg, dass ich weg musste. Ich musste wieder auf die Straße. Ich wollte keinen Stillstand. Ich hatte ein Stable zu leiten und zu repräsentieren.

Ich hielt Ausschau nach einem Auftrag und würde fündig. Druckbehälter nach Nürnberg transportieren war genau das Richtige, um meine müden Knochen in Bewegung zu halten.

Motiviert setzte ich mich in Bewegung und fuhr in Richtung abzuholender Fracht.

Manch einer mag nun behaupten, dass ich ein wenig übermotiviert und blind vor Freude war...

... doch ich ignoriere diese Miesmacher. Ich lasse mir doch nicht die Freude an meiner Existenz von einem Kleinwagenfahrer vermiesen.

Lieber holte ich die Drückbehälter ab.

Ich wusste, dass ich Frankfurt nun erst einmal für lange Zeit hinter mir lassen würde. Ein letztes Mal warf ich einen Blick aus dem Fenster und sog die Skyline mit den Augen in mich auf. Ich wollte meine Heimat nicht vergessen.

Aber ich wollte auch nicht in ihr gefangen sein. Die Straße rief mich zu sich. Und ich folgte dem Ruf. Zur Erinnerung hatte ich mir ein wenig frischgepresste Bodylotion vom lokalen Bodylotionpresser eingepackt. Wenn ich die Heimat schon nicht mehr sehen konnte, so wollte ich sie wenigsten riechen. Und spüren. Auf meinem muskulösen Körper.

Während mein Körper trocknete und ich Kilometer für Kilometer hinter mich brachte, wurde es Nacht.

Als ich an meinem Zielort ankam, musste ich lachen. Wieder einmal hatte die Firma, die ich beliefern musste, eine für Trucks eigentlich viel zu enge Einfahrt. Aber was soll ich sagen? Ich war gut. Der Beste. Der Guteste. Und meisterte das Hindernis ohne Probleme.

Die Fracht wurde abgestellt und ich kassierte die Belohnung.

Selbstverständlich gönnte ich mir keine Verschnaufspause. Ein Digger musste nach Erfurt transportiert werden und da ich schon einmal da war, nahm ich den Auftrag sofort an.

Es wurde immer dunkler. Die Lichter des Gegenverkehrs spiegelten sich in meiner stets gut befeuchteten Brustmuskulatur.

Als ich das glänzende Schauspiel bewundernd zu einem überholmanöver ansetzte, geschah es: Ein PKW hatte jedweden Respekt vor mir, meinen Muskeln, meinem Truck und meinem Digger verloren. Er machte mir, obwohl ich mich gerade auf seiner Spur befand, keinen Platz. Ich legte eine Vollbremsung hin und kam nur wenige Zentimeter vor ihm zum Stehen.

Ich hatte keine Lust auf Streit. Ich hatte gerade mein Bauch-Beine-Po-Training hinter mich gebracht und meine angespannten Muskeln lechzten nach Erholung. Sich jetzt in einen Faustkampf verwickeln zu lassen, hätte meinen perfekt definierten Körper vielleicht in ein unproportioniertes Chaos verwandelt. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.

So fuhr ich, die Lichthupe meines Gegenübers ignorierend, selbstverständlich ohne in den Rückspiegel zu gucken, zurück auf die rechte Fahrbahn.

Nur um blöd von der Seite angemacht zu werden.

Der Fahrer des gelben PKWs war auf Streit aus. Er dachte im Traum nicht daran, mir Platz zu machen. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen und leistete meinem Gegner im Traum Gesellschaft, indem ich mit den Fäusten auf ihn einhämmerte. Dann hörte ich in meinem Innern die Ringglocke erklingen und eine Over-The-Top-Rope-Challenge einleuten.

Das folgende Match zog sich einige Minuten hin. Mein Gegner war besser trainiert, als ich gedacht hatte. Hin und wieder schien es fast so, als würde er fliegen können. Er wollte sich von mir einfach nicht über die Seile befördern lassen. Doch ich ließ nicht locker. Am Ende konnte ich das Match für mich entscheiden.

Um die Spannung des Matches nicht zu zerstören, folgen jetzt ein paar unkommentierte Bilder.

Was für ein Kampf.

Rein von der Matchpsychologie war das ganz großes Kino. Pay-Per-View-Mainevent-Potential, sage ich euch.

Natürlich ruhte ich mich nicht auf meinem Sieg aus. Ich war ein Profi. Ich kannte mich aus im Business. Das Business ist harte Arbeit. Nach dem Sieg ist vor dem nächsten Match. Meine Ladung musste abgeladen werden. Leider gab es ein Problem.

Das Match hatte mich mehr Kraft gekostet, als ich erwartet hätte. Auf dem Armaturenbrett erschien plötzlich eine rote Warnmeldung.

Ich kontrollierte die Schadensanzeige meines Navis. Es zeigte mir an, dass mein Truck 19% Schaden erlitten hatte.

Eigentlich nicht die Welt. Vergleichbar mit einem Chairshot gegen den Kopf vielleicht. Man ist ein wenig durch den Wind, fängt sich aber verhältnismäßig schnell wieder.

Trotzdem verschwand die Warnmeldung nicht.

Dann erkannte ich, was geschehen war.

Ein Motorschaden. Um bei den Chairshots zu bleiben: Das hier war ein Chairshot gegen den Kopf, der von einem übermotivierten Amateurwrestler ausgeführt worden war. Stuhl falschherum gehalten, zu fest zugeschlagen und dann auch noch seinem Gegenüber die Stuhlkante an die Stirn gehämmert. Aus meinem Motor schoss Blut hervor, ganz ohne freiwilliges Bladen. Verdammter Mist.

Das Ganze sorgte nun dafür, dass sich mein Motor in unregelmäßigen Abständen einfach ausschaltete. Der Rest der Fahrt gestaltete sich somit ziemlich zäh. Doch zum Glück hatte der Unfall nur knappe zwei Stunden vor Erfurt stattgefunden. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen und erreichte tatsächlich mein Ziel. Ein Match muss beendet werden. Auch wenn man sich nicht einmal mehr an den eigenen Finisher erinnern kann. Ich leitete meinen Motor und meinen Truck sicher ins Ziel. Mein Truck kann sich immer auf mich verlassen.

Am Ziel angekommen, ließ ich mir nichts anmerken und sackte meine Belohnung ein.

Doch dann warf ich schnell einen Blick auf die Karte und fuhr die nächstgelegene Werkstatt an.

Die Reparatur kostete mich fast 10.000 Euro.

Wenn man bedenkt, dass ich durch den Auftrag lediglich etwa 7.500 Euro eingenommen hatte, kann man sich vorstellen, wie es stimmungstechnisch gerade in mir aussah.

Um nicht vollkommen auszurasten, rastete ich. Ich hatte einen weiten Weg hinter mir.

Am nächsten morgen trug ich eine extra dicke Schicht Bodylotion auf und genoss für einen kurzen Moment die aus meinen Poren strömende Frische Frankfurts. Der ärger und die Sorgen waren wie weggeblasen. Ja, ich hatte einen Verlust gemacht. Aber ich hatte das verdammte Match beendet. Und ich hatte gewonnen.

Es war an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Als ich herausfand, dass ein weiterer, diesmal noch größerer Digger transportiert werden musste, war ich Feuer und Flamme. Man darf sich nicht einschüchtern lassen. Man muss nach den Sternen greifen. Auch wenn sich diese an einem Gürtel aufgehängt mehrere Meter über dem Ringboden befinden und man ein TLC-Match hinter sich bringen muss, um sie zu erreichen. The show must go on. Auf nach Dresden.

Wieder war ich ein wenig übermotiviert.

Aber bitte habt Verständnis. Ein Digger! Nach Dresden!

Als ich Erfurt verließ und einen Blick auf die Tankanzeige warf, kam ich auf die Idee, die nächstbeste Tankstelle aufzusuchen. Und das tat ich dann auch. Man muss manchmal einfach seinen Gefühlen folgen.

Frisch gestärkt setzte ich die Reise fort.

Dresden erreichte ich ohne besondere Vorkommnisse.

Ladung am Ziel abliefern, Geld einkassieren... ich kannte den Ablauf.

Die pure Lebensfreude war das. Und es wollte einfach nicht aufhören. ICH wollte einfach nicht aufhören. Pausieren kann man immer noch, wenn man irgendwann nach zu vielen Bumps und Highspots keine Kniescheiben mehr hat. Jetzt musste gefahren werden. Und zwar Gabelstapler nach Leipzig.

Wieder einmal versuchte eine enge Einfahrt, mich durch einen Staredown einzuschüchtern. Aber ich lachte...

... und lachte...

... und lachte.

Lächerliches, kleines Tor.

Auf wiedersehen, Dresden.

Und hallo Leipzig!

Ja, ich kürze die ganze Sache hier mal ein wenig ab. Wenn nichts passiert, passiert eben nichts. Bei Wrestlingveranstaltungen schaltet man während Matches dieser Art immer in die Werbung. Das möchte ich meinen Lesern aber natürlich ersparen.

Da ich noch sehr viel Zeit vor dem Abgabetermin der Gabelstapler hatte, trainierte ich noch ein wenig meinen Bizeps, indem ich auf dem Hinterhof der Holzverarbeitungsfirma Baumstämme stemmte.

Selbstverständlich beseitigte ich am Ende das von mir angerichtete Chaos nicht. Ich war ein angesehener Profi. Aufräumen können andere Leute hinter mir.

Am Ende lieferte ich meine Ware pünktlich ab und wurde reich belohnt.

Von Leipzig aus ging es zurück nach Erfurt. Viel Neues bekam ich auf meiner Reise diesmal leider nicht zu sehen. Aber manchmal muss man sich auch in bekannten Gewässern aufhalten. Letztendlich tut es auch gut, an einen Ort zurückzukehren und in Erinnerungen zu schwelgen.

Meine Ladung konnte ich glücklicherweise am gleichen Ort in Empfang nehmen, an dem ich meine vorherige abgeliefert hatte.

Wieder einmal gab es keine nennenswerten Ereignisse auf meiner Fahrt. Es wurde lediglich dunkel. Aber das überrascht einen naturverbundenen Trucker wie mich selbstverständlich nicht.

Was mich dagegen überraschte: Obwohl dies hier bereits mein fünfter Reisebericht und mittlerweile viel Zeit vergangen ist, bin ich immer noch der einzige, der den Ampeltrick verwendet. Zeigt die Ampel rot, fahre einfach auf dem Gehweg weiter und dir passiert nichts. Warum macht das keiner außer mir? So ein High-Risk-Move ist das nun auch wieder nicht. Oder doch?

Wie auch immer. Ich kam an meinem Ziel an und erledigte alles zur vollen Zufriedenheit meines Auftraggebers.

Am Ende wurde ich sogar mit dem Erreichen einer neuen Erfahrungsstufe belohn. Da ich meine Fähigkeiten auf hochwertige Fracht bezogen vollständig entwickelt hatte, entschied ich mich diesmal für die Verbesserung meiner Fernfahrtenfähigkeit.

Ich wollte die Welt entdecken. Und das war nicht möglich, wenn ich mich immer nur ein paar Kilometer von meinem aktuellen Aufanthaltsort entfernen konnte. Aus einer Reichweite von 250km wurde eine Reichweite von 350km.

Ich suchte mir ein ruhiges Plätzchen und schlief ein paar Stunden lang.

Am frühen Morgen, nach einer Traditionstasse Eiweißtee und ein paar Klimmzügen an der an meinem Truck angebrachten und aus Spaß so genannten Morgenlatte, begab ich mich wieder auf die Suche nach einem neuen Auftrag.

Magdeburg? Magdeburg!

Um nicht wieder vollmotiviert in einen PKW zu rasen, nutzte ich diesmal nur im äußerten Notfall die Straße. Die Erfurter Gewege sind zum Glück ziemlich weitläufig.

Am Auftragsort angekommen, erwartete mich dieser nette Herr.

Nein, er schien gar nicht auf mich zu warten. Und nett war er auch nicht. Er war vollkommen in ein Gespräch vertieft, das er per Funkgerät mit einer mir unbekannten Person führte. Als ich hupte, um Aufmerksamkeit zu bekommen, sah er zwar kurzzeitig ein wenig verdutzt aus...

... wandte sich aber schnell wieder seinen eigenen Angelegenheiten zu.

Tja. Man kann das Publikum eben nicht immer für sich begeistern. Es gibt Tage, da steht man im Ring und gibt alles, doch es kommt keine Reaktion zurück. Das ist ärgerlich, aber auch da muss man durch. Wichtig ist, dass man sein Bestes gibt und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

So begab ich mich wieder auf die Straße.

Natürlich beschäftigte mich die Ignoranz meines Gegenübers trotz meiner Lebenserfahrung dennoch sehr. So sehr sogar, dass ich ein wenig unaufmerksam durch die Gegend fuhr. Aber ich sage es mal so: Ich wurde schnell wieder wachgerüttelt.

Das ist das Wichtigste an meinem Beruf: Man muss über Fehlschläge nachdenken und sie analysieren. Man darf dadurch aber nicht das Alltagsgeschäft in Gefahr bringen.

Aufgewühlt wie ich war, sehnte ich mich nach einem kurzen Moment der Entspannung. Ja, ich musste abschalten. Als ich neben mir ein hohes Maisfeld erblickte, wusste ich, was ich zu tun hatte.

Ich machte einen kleinen Abstecher ins Grüne.

Buchstäblich.

Ich bin nun kein Anbauexperte, doch irgendwie zweifelte ich an der Art und Weise, mit der der dieses Feld bepflanzende Bauer seine Arbeit verrichtete.

Wirklich gut nutzte er den ihm verfügbaren Platz nicht.

Aber ich bin kein Bauer. Ich war Wrestler und bin Trucker. Vielleicht war das diese Nachhaltigkeit, von der momentan alle sprachen. Nachhaltigkeit. Im Wrestling-Business nicht gerade ein häufig verwendetes Wort. "Nutzt eure Chairshots heute bitte nachhaltig, damit die Folgegeneration noch etwas von ihnen hat." Lächerlich.

Ich fühlte mich nach diesem kleinen Erholungsabstecher ausgeruht. Ich hatte mir ein paar Maiskolben mitgenommen, um sie später mit den Fäusten auszupressen und danach das Maisöl auf meinem Körper zu verteilen. Frisches Maisöl ist gut für die ausgeprägte Bauchmuskulatur. Das wissen die Wenigsten.

Ich merkte schnell, dass ich zu viel über Maisöl nachdachte, anstatt mich auf die Straße zu konzentrieren.

Aber was soll ich sagen? Körperpflegeprodukte lösen in mir einfach dieses unbeschreibliche Wohlbefinden aus. Da kann man nichts machen.

Mein Ziel erreichte ich trotzdem pünktlich.

Als ich mich umgehend auf die Suche nach neuen Aufträgen machte, war ich ein wenig enttäuscht. Das lukrativste Angebot führte mich erneut nach Dresden. Es fühlte sich ein wenig so an, als würde ich mich im Kreis drehen.

Aber immerhin ging es um Tomaten.

Ich nahm den Auftrag an und fuhr los.

Erneut kürze ich das Ganze ab. Ich erreichte mein Ziel. Fertig.

Aber eins stand fest: Ich musste als nächstes unbedingt woanders hin. Wieder nach Magdeburg oder Erfurt? Nein. Nichts gegen besagte Städte, aber ich musste Neuland betreten. Zuvor benötigte ich aber noch eine Mütze Schlaf. Der Mais musste auch noch ausgepresst werden.

Ich ballte also die Fäuste, ließ aus ihnen das frische, warme öl auf meine Bauchmuskeln tropfen, rieb mich von oben bis unten ein, machte mich bettfertig und schlief ein.

Als ich gut erholt und angenehm duftend erwachte, stand der Mond hoch am Himmel. Einen geregelten Tagesrhythmus hat ein Trucker nun wirklich nicht. Aber wer hat das schon.

Natürlich ließ ich mich durch die mich umgebende Finsternis nicht aus der Ruhe bringen. Ein neuer Auftrag erwartete mich. Ich sollte Autoteile nach österreich transportieren. Dafür musste ich zwei Grenzen überqueren.

DAS klang doch endlich mal wieder nach einem spannenden Auftrag. Ich lud auf und fuhr los.

Während sich der Morgen bei mir blicken ließ, überquerte ich Grenze Nummer eins.

Ich fuhr an Prag vorbei...

... überquerte eine weitere Grenze...

... und fand mich in österreich, genauer in Linz, wieder.

Die Landschaft war umwerfend. Endlich bekam ich mal wieder etwas Neues zu Gesicht. Immer wieder fuhr ich ein wenig langsamer, um die Umgebung zu bestaunen.

Am Ziel angekommen, lud ich ab und sackte die Kohle ein.

Ich hatte Blut geleckt. Zurück nach Deutschland? Warum sollte ich? Ich wollte weiter nach Osten reisen. Nach Bratislava in der Slowakei, um genau zu sein.

Mit einem 6 Tonnen schweren Vorratstank verließ ich Linz.

Während der Fahrt dachte ich darüber nach, was ich mit einem 6 Tonnen schweren Vorratstank voller Bodylotion anfangen würde. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verging die Reise wie im Fluge. Auf einmal stand das Ortsschild meiner Zielstadt vor mir.

Abladen und einkassieren. Wie immer.

Als ich die Ladung von meinem Truck entfernte, wurde mir etwas klar: Ich war der Größte. Ich war frei. Ich war mein eigener Boss. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte.

Die Welt stand mir offen. Dies hatte ich zwar vor einiger Zeit bereits verstanden, doch hatte ich mich daraufhin viel zu lange in Deutschland aufgehalten und dadurch viel zu wenig erlebt. Ich hatte mich zu sehr an Deutschland gewöhnt. Doch meine Fahrten nach Linz und Bratislava zeigten mir, dass mein Lebensziel nicht im Transport hochwertiger Fracht lag, sondern in Fernfahrten. Ich wollte mich nicht länger Stück für Stück von meiner Heimat entfernen. Ich wollte endlos lange Strecken ohne Unterbrechungen und Umladen zurücklegen. Reisen über mehrere Tage. DAS wollte ich. Warum von kurzen Squash-Matches leben, wenn man auch 60-Minuten-Iron-Man-Matches absolvieren kann, an die sich die Zuschauer auch nach vielen Jahren noch erinnern würden.

In diesem Moment der Erkenntnis bekam ich plötzlich einen Krampf im Bein. Warum? Ich weiß es nicht. Das viele Sitzen? Das viele öl? Die Anspannung? Es gab viele Möglichkeiten, doch letztendlich sind einem die Gründe für einen Krampf, wenn er erst einmal eingetreten ist, ziemlich egal.

Natürlich konnte ich mit Schmerzen umgehen. Ich war Wrestler. Ich verzog keine Miene. Nach ein paar geübten Dehnübungen hatte ich das Schlimmste überwunden. Dennoch wollte ich schnellstmöglich einen Arzt kontaktieren. Ich bin keine Memme, aber ich suche einen Arzt lieber einmal zu oft als einmal zu wenig auf. Nun befand sich mein Hausarzt leider in Frankfurt und ich mich in Bratislava.

Also erkundigte ich mich bei den mich umgebenden PKW-Fahrern, ob zufällig gerade jemand auf dem Weg nach Deutschland war. Als eine junge Dame mir tatsächlich mitteilte, gerade auf dem Weg nach Deutschland zu sein, wusste ich, was zu tun war. Ich wollte per Anhalter mitfahren. Schnell stellte ich meinen Truck auf ihrem PKW ab.

Die ganze Aktion erforderte sehr viel Geschick von mir. Der Fahrerin schien das Ganze irgendwie nicht zu gefallen, doch ich ignorierte ihr Gezappel einfach. Nach unzähligen Aktionen vom obersten Ringseil hatte ich meinen Gleichgewichtssinn mehr als perfektioniert.

Als ich meinen Truck ausbalanciert hatte, wartete ich darauf, dass meine Begleiterin endlich losfuhr.

Doch sie dachte nicht im Traum daran, sich zu bewegen.

Sie beschimpfte mich wüst und drohte mir damit, die Polizei zu rufen. Das fand ich ziemlich unfreundlich. Was hatte ich falsch gemacht?

Sie ließ sich auf keine Diskussionen ein. Ich sollte von ihrem Dach steigen. Wiederwillig tat ich, was sie verlangte. Was leben wir doch in einer unfreundlichen Welt.

Also musste ich doch selbstständig nach Frankfurt fahren. Trotz kaputtem Bein. Ich erholte mich ein wenig auf dem Parkplatz vor einer Werkstatt und stattete dieser vor meiner Abfahrt noch schnell einen Besuch ab.

Ich erwachte am Abend.

Ich traute es mir ehrlich gesagt nicht zu, auf meiner Reise nach Frankfurt einen Auftrag anzunehmen. Ich wollte nach Hause. Ich hatte trotz der Erholungspause noch immer Schmerzen im Bein. Höllische Schmerzen.

Ich fuhr los. Auf dem Weg nach Hause warf ich wieder einmal einen Blick auf die Statistiken meines Stables. spa-zone wuchs. Meine Mitarbeiter brachten gutes Geld nach Hause. Ich hatte auf meiner Reise weitere 2.000 Kilometer zurückgelegt. Alles sah unglaublich gut aus.

Nur ein Problem blieb: Mein Bein. Der Schmerz ließ die gesamte Fahrt über nicht nach. Ich bekam Angst. War das wirklich nur ein Krampf? Oder etwas Schlimmeres? Würde mir der Arzt vielleicht für immer verbieten, noch einmal einen Fuß in einen LKW zu setzen? Würde meine Karriere tatsächlich so früh enden?

Voller Trauer, Angst und Zweifel erreichte ich Frankfurt. Ich parkte meinen LKW und ging auf die Arztpraxis zu. Wie würde die Diagnose ausfallen? Als ich mich umdrehte und mein Fahrzeug vor der Frankfurter Skyline stehen sah, kullerte mir eine Träne über meine Wange.

Diese Gefühle wollte ich mir eigentlich nicht eingestehen, doch sie übermannten mich. Würde ich jemals wieder einen Kilometer in einem Truck zurücklegen?

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